Wohnen/Arbeiten

Räume des Alltags und Veränderungen

Wohnen und Arbeiten sind die unmittelbarsten räumlichen Bedingungen unseres Lebens. Die hier versammelten Projekte untersuchen, wie sich private Rückzugsorte und produktive Umgebungen gestalten lassen – zwischen Intimität und Öffentlichkeit, Routine und Wandel, Individuum und Gemeinschaft.

Im Zentrum steht die Frage, wie Architektur zeitgemäße Lebens- und Arbeitsformen ermöglicht: flexible Grundrisse, hybride Typologien, gemeinschaftliche Strukturen und atmosphärische Qualitäten, die das Zusammenleben stärken und konzentriertes Arbeiten unterstützen. Ob Umbau, Erweiterung oder Neubau – jedes Projekt versteht Raum als Werkzeug, um Alltag neu zu ordnen, Bedürfnisse sichtbar zu machen und Zukunft zu entwerfen.

Diese Villa ist als präzise, lichtgeführte Landschaftsarchitektur gedacht: ein gestaffelter, weißer Baukörper, der sich in die Topografie einschneidet und sie zugleich weiterzeichnet. Aus klaren, kubischen Volumen entstehen Terrassen, Übergänge und Blickachsen – vom oberen Panorama-Raum bis zur ruhigen Wasserfläche im unteren Niveau.

Großformatige Verglasungen öffnen die Innenräume zur Weite der Umgebung und lassen Privates und Landschaft in einen sanften Dialog treten. Die Materialität bleibt bewusst reduziert: helle Flächen, feine Schattenkanten, zurückhaltende Details – damit Proportion, Raumtiefe und Tageslicht die Gestaltung bestimmen.

Die Außenanlagen sind nicht dekorativ, sondern räumlich wirksam: Rasenflächen, dezente Vegetationsinseln und präzise gesetzte Wege modellieren die Hangkante und schaffen eine ruhige, fast museale Atmosphäre. So entsteht ein Haus, das nicht laut sein muss, um Präsenz zu zeigen – eine Architektur der Klarheit, die Landschaft und Wohnen zu einer zusammenhängenden Sequenz verbindet.

 

<<< Villa am Hang

Dieser Entwurf entstand aus Rechercheergebnissen zur Geschichte der urbanen Architektur in der arabisch-afrikanischen Region. Ziel ist es, bewährte Erfahrungswerte aufzugreifen und in eine zeitgemäße Architektur zu übersetzen. Dazu werden konstruktive, technische, energetische, kulturelle und gestalterische Kriterien innerhalb eines klar definierten wirtschaftlichen Rahmens zusammengeführt. Aus dem Zusammenspiel von historischem Kontext und heutigen Anforderungen ergeben sich die Verwendung regionaler Materialien, die Neuinterpretation traditioneller Elemente zur Verschattung und natürlichen Belüftung sowie eine weitgehend autarke Energieversorgung über ganzjährige solare Gewinne.

Der Zugang erfolgt bewusst nicht über die vordere Fassade, sondern über eine seitliche Nische auf der linken Gebäudeseite, die zum zentralen Kern des Hauses führt. Dieses Zentrum organisiert die horizontale und vertikale Erschließung sämtlicher Räume. Mit dem definierten Atrium, dem angeschlossenen Windfänger und der Anbindung der offenen Treppe entsteht hier zugleich das klimatische Herz des Gebäudes. Eine zweite Fassadenebene erzeugt hofartige Situationen, die im Zusammenspiel mit der inneren Struktur die räumliche Qualität deutlich steigern. So entstehen geschützte Rückzugsorte, die eine differenzierte Privatisierung der Gebäudebereiche ermöglichen.

House Of Future >>>

Im Herzen Münchens liegt mit dem Stachus / Karlsplatz einer der prominentesten und meistfrequentierten Stadträume. Direkt gegenüber befindet sich das zu bebauende Grundstück – in der Achse zwischen Hauptbahnhof und Fußgängerzone – und damit von hoher öffentlicher Sichtbarkeit.

Der Entwurf ist aus zentralen Fragen entstanden: Wie soll München mit Bestand umgehen? Welche Bauten verdienen Denkmalschutz – und wo ist Erneuerung notwendig? Vor allem aber: Wie selbstbewusst darf neue Architektur in der historisch geprägten Innenstadt auftreten? Architektur ist ein Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse. Neben dem traditionellen München hat sich eine junge, dynamische und internationale Stadt entwickelt, die im Zentrum bislang nur selten räumlich ablesbar ist. Der Entwurf versteht sich daher als Schritt in ein zeitgenössisches München.

Die Bestandsgebäude auf dem Grundstück stammen aus den 1970er-Jahren und schöpfen das Potenzial der Lage nur unzureichend aus; zugleich ist ihre Baumasse für die neue Nutzungskonzeption wenig geeignet. Daher werden beide Gebäude rückgebaut. Die bestehende unterirdische Passage am Stachus wird in den Neubau integriert und im Sockelbereich weitergeführt.

Der Neubau verknüpft verschiedene Nutzungen und schafft zugleich ein neues Stück erlebbaren öffentlichen Raums. Eine prägnante Gebäudefigur und die vertikale öffentliche Erschließung machen die Architektur räumlich erfahrbar – als neue Adresse im Zentrum Münchens.

 

<<< Upcycling Munich

Kultur

Räume der Identität und Interpretation

Architektur ist immer auch ein Ausdruck kultureller Prozesse. Die hier versammelten Projekte thematisieren die Beziehung zwischen Raum, Gesellschaft und Geschichte – sei es durch öffentliche Bauten, narrative Konzepte oder künstlerisch-experimentelle Entwürfe.

Im Fokus steht dabei die Frage, wie Architektur kulturelle Identität sichtbar machen, interpretieren oder transformieren kann. Ob durch neue Räume der Erinnerung, urbane Schnittstellen oder das Wiederbeleben vergessener Orte – jedes Projekt ist eine räumliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlichem Kontext.

Flussbad Lichtenberg

Die historische Beziehung zwischen Berlin und der Spree bildet den Ausgangspunkt für diesen Entwurf. Aufbauend auf der Tradition der Flussbäder interpretiert die Arbeit das Baden im Stadtraum neu und entwickelt ein urbanes Wasserbad in Berlin-Lichtenberg.

Inmitten industrieller Umgebung reagiert der Entwurf auf die Massivität des benachbarten Kraftwerks, öffnet sich zur Spree und schafft über einen großzügigen Vorplatz einen öffentlichen Begegnungsraum mit hoher Aufenthaltsqualität. Das Gebäude gliedert sich in drei ausgreifende Arme, die durch gezielte Lichtführung und Raumkomposition unterschiedliche Atmosphären erzeugen.

Die geometrische Entwicklung basiert auf industriellen Kreiselementen, wie den Silos des Umfelds – ein Konzept, das Funktionalität, Identität und stadträumliche Logik verbindet. Der Entwurf zeigt, wie Architektur, Landschaft und Wasser zu einem zukunftsorientierten öffentlichen Raum verschmelzen können.

Terremoto Museum

Das verheerende Erdbeben von 1755 zerstörte große Teile Lissabons und veränderte nachhaltig das Stadtbild wie auch das gesellschaftliche Denken. Der Entwurf übersetzt die Naturgewalt in eine ausdrucksstarke Architektur.

Das Museum integriert sich in die Topografie des Stadtraums, nutzt Höhenunterschiede und entfaltet seine Wirkung zwischen Enge und Weite. Die Gebäudeform basiert auf verschobenen Platten, die sich überlagern, durchdringen und dynamische Räume erzeugen.

Im Innenraum entsteht eine räumliche Dramaturgie aus Licht, Schatten und spannungsvollen Übergängen – zwischen Intimität und Offenheit. Die benachbarte Kirchenruine „Convento do Carmo“ bleibt bewusst sichtbar und wird respektvoll in das Konzept eingebunden.

Ein zurückhaltender Zugang führt über einen Innenhof ins Gebäude. Im Erdgeschoss ergänzt eine Markthalle mit regionalen Produkten und Gastronomie das Raumprogramm – als sozialer Treffpunkt zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

 

Design Centre

Der Entwurf interpretiert traditionelle Architektur auf zeitgemäße Weise und berücksichtigt dabei Ort, Klima und Gesellschaft. Auf einem 1,20 m-Raster entsteht ein Designzentrum, das sich in die gewachsene Stadtstruktur einfügt.

Elemente wie Shanashils, Innenhöfe und organische Raumfolgen bilden die Grundlage. Die bestehende Fassade bleibt als historische Hülle erhalten und prägt durch gezielte Öffnungen die neuen Räume mit Nischen und Höfen. So entsteht ein sichtbarer Dialog zwischen Alt und Neu.

Ein öffentlicher Eingang auf der Westseite führt in das Zentrum, das Veranstaltungen, Werkstätten und kreative Prozesse miteinander verbindet. Die offenen Ateliers laden Besucher zur Teilhabe ein, während die Bibliothek separat zugänglich bleibt und auch unabhängig genutzt werden kann.